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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Im Monster-Truck zum Südpol


Touareg V
14.12.2005, 06:49
Was es nicht alles gibt

"Mad Max" Szenario in der Antarktis: Durch das ehemalige Reich der Stille dringt demnächst sattes Motorenbrummen, denn ein Monster-Truck samt 6-köpfiger Besatzung will in neuer Rekordzeit von der Chile am Nächsten liegenden Antarktis-Küste zum Südpol donnern.
Schon die ersten Polar-Explorer tüftelten an Motorschlitten, mit deren Hilfe die für uns Menschen höchst lebensfeindliche Eiswüste erobert werden könnte.

Doch die Technik scheiterte stets an zu großer Kälte, Treibeis, unter der Schneedecke versteckten Eis- und Gletscherspalten, meterhohen Eisstößen und nicht zuletzt an den beinahe unüberwindlichen Gebirgszügen des südlichsten Kontinents.

Woran Scott und Amundsen noch vergeblich feilten, gelang erstmals einer Expediton von Sir Edmund Hillary im Jahre 1958: Mit auf Schneekettenantrieb umgebauten Traktoren erreichte er in 82 Tagen den Pol. Doch sind motorisierte Ausflüge bis heute eine Seltenheit geblieben - auch aus Naturschützgründen.

Mit Ausnahme des japanischen Motorrad-Abenteurers Shinji Kazama, der es Anfang 1992 mit einer modifizierten Yamaha in 24 Tagen bis zur Amundsen-Scott Station schaffte, sind in der Antarktis nur einige Forscher mit einer Handvoll schwerer Kettenfahrzeuge der Armee unterwegs. Rad-Antrieb ist im ewigen Eis ein Fremdwort geblieben.

Was sich nun endgültig ändern soll, wenn es nach den beiden Mittvierzigern Jason De Carteret aus Großbritannien und Gunnar Egilsson aus Island geht.

Anfang Dezember wollen sie mit vier frostgeeichten Kumpanen und einem von Egilsson zum polartauglichen Monster-Truck umgebauten Ford Encoline die 1.200 km lange Strecke von Hercules Inlet bis zum geografischen Südpol bezwingen. Nach Möglichkeit in neuer Rekordzeit von unter 60 Stunden.

Die Idee dazu hatte Expeditionsleiter De Carteret, der als Globetrotter und Managing Director des britischen Individual- und Extrem-Reiseanbieters "Voyage Concepts (http://www.voyageconcepts.co.uk/)" schon an vielen für Normalmenschen unerreichbaren Flecken unserer Erde war - zu Fuß, auf Skiern oder mit dem Hundeschlitten.

Als er den passionierten "Autoschrauber" Gunnar jedoch erstmals mit seinen Offroad-Spezialgefährten Marke "Mad Max" über die heimatlichen Gletscher jagen sah, war ihm klar, dass das von Egilsson geleitete Unternehmen "IceCool (http://www.icecool.is/)" wesentlich mehr konnte, als Touristen durch Islands Naturschönheiten zu kurven.

Das Ergebnis von rund 2000 Arbeitsstunden war dann schließlich der "IceCool Ice Challenger", ein 6,5 Meter langer, und 2,5 Meter breiter Dreiachser mit 6 X 6 Allrandantrieb.

Der 4,7-Tonner mit einem 215 PS starken V8 7,3 Liter Turbodiesel Motor hat Platz für bis zu 14 Fahrgäste und ist mit so ziemlich allem ausgerüstet, was Herz und Verstand eines Polarreisenden erfreut.

Auf seinen 112 cm hohen und 53 cm breiten Spezialreifen sollte der Solar-geheizte "Super-Jeep" auch sicher durch das südpolare Eis zu manövrieren sein, sind sich Jason und Gunnar sicher.

Nachdem der eisblaue Offroader Anfang September erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde - im stilechten Rahmen martialischer Highlander-Games der schottischen Raleigh Braveheart Challenge (http://www.raleighbraveheart.com/) - befindet er sich nun im Anflug auf Punta Arenas, um von dort bis Ende November nach Patriot Hills verfrachtet zu werden.

Abhängig von der Wetterlage startet der Rekordversuch dann ab 1. Dezember, wobei die faszinierende Landschaft wohl erst auf der entspannten Rückfahrt vom Pol genossen werden kann. Weihnachten wollen aber alle Teilnehmer wieder am heimatlich-warmen Herd verbringen.




Ice Challenger gelingt Rekordfahrt zum Südpol

Jason De Carteret's Südpol-Expedition schaffte es tatsächlich: An Bord des Ice Challenger Monstertrucks gelang dem 6-köpfigen britisch-isländischen Team am 12. Dezember die mit Abstand schnellste motorisierte Überland-Traverse von der Antarktisküste zum 1.200 km entfernten Pol.

Nach 69 Stunden, bzw. knapp dreitägiger nonstop Fahrt, stoppte das Offroad-Gefährt kurz vor 13 Uhr (GMT) vor dem mit einer verspiegelten Glaskugel verzierten Vermessungspunkt, der die geografische Breite von 90 Grad Süd (und Null Grad Ost) markiert.

"Der Südpol ist in neuer Rekordzeit erobert", freut sich Jason ebenso wie Truck-Konstrukteur Gunnar Egilsson, der viel Hirnschmalz und sechs Monate Arbeitszeit in den 20-gängigen 6 x 6 Allradantrieb investierte.

Im Tank 800 Liter frostsicheres Kerosingemisch anstelle von Benzin gruben sich die 44 Zoll Reifen Grip-sicher durch den in einer wochenlangen Schlechtwetterperiode gefallenen Neuschnee.

Ganze 9 Tage musste das Team zuvor in Patriot Hills und Hercules Inlet an der Küste des Weddellmeeres ausharren, bevor ungewöhnlich warmes Klima mit bis zu Null Grad den Start ermöglichte.

Doch der griffige Neuschnee nahe am Schmelzpunkt half auch, den extrem steilen und normalerweise mit blankem Eis überzogenen Anstieg auf das rund 3000 Meter höher liegende antarktische Hochplateu zu überwinden.

Die Fahrer lösten sich im Zweistunden-Takt ab und auch den Copiloten in der vordersten Sitzreihe wurde ununterbrochene Konzentration abverlangt. Sie mussten den vor ihnen liegenden Untergrund auf Spuren zugeschneiter Gletscherspalten absuchen, welche die größte Gefahrenquelle für die Expedition darstellten.

Und die Mühe machte sich bezahlt. Allen Zweiflern und Kritikern zum Trotz, haben sich die PS-Freaks damit einen Platz im Buch der Rekorde erobert.

Doch ihr Abenteuer ist noch nicht zuende. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Amundsen-Scott Station geht's nochmals durch die Eiswüste, zurück nach Patriot Hills und von dort in's chilenische Punta Arenas.

Diesmal ganz ohne Hektik. Denn die gebuchten Rückflüge sind aufgrund der Startverzögerung inzwischen sowieso verfallen und das geplante Weihnachtsfest im trauten Familienkreis entfällt - zugunsten unvergesslicher Erlebnisse einer doch recht ungewöhnlichen Polar-Expedition.

Quelle klick (http://www.expeditionzone.com/start_hi.cfm?story=4547&business=&club=&member=)